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„Es geht nur gemeinsam“ – Dies war Motto und Ergebnis des Fachtags des Netzwerks Ganztagsbildung am 21. Juni im Feierwerk München

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Fortschreibung

Die Rahmenkonzeption liegt vor - Wie geht es weiter?

Über zwei Jahre hat der Prozess der gemeinsamen Arbeit an der Rahmenkonzeption Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) gedauert.

Nun stellt sich die Frage, wie geht es auf dieser Grundlage in diesem Arbeitsfeld weiter. Der kluge und satirisch gemeinte Satz, „Prognosen sind schwer zu treffen, besonders wenn sie in die Zukunft gerichtet sind“ trifft auch hier zu. Deswegen sei zunächst der Blick auf wichtige Trends und Entwicklungen gerichtet, die sich auf die offene Kinder- und Jugendarbeit auswirken, die sich in den engagiert geführten fachlichen Diskussionen wiederfanden und die sich in den nächsten Jahren eher verstärken werden:

  • Die zeitliche Ausweitung des formellen Bildungsbereiches und ihre Auswirkung
  • Das „Abgehängtwerden“ eines Teils der Kinder und Jugendlichen von Bildungszugängen
  • Das Verschwinden der Normalbiografien und die zunehmende Unplanbarkeit der Lebensentwürfe (Beruf, Wohnen, Partnerschaft)
  • Die Auswirkungen einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft
  • Die soziale Spreizung in der Gesellschaft und die zunehmenden Armutsphänomene
  • Migrationshintergrund als Normalfall in den Einrichtungen und in der Gesellschaft
  • Die Haushaltssituation der Kommunen und ihre Auswirkungen auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit
  • Die Offene Kinder- und Jugendarbeit kann diese Probleme sicherlich nicht lösen, aber sie kann ihren eigenen spezifischen Beitrag dazu erarbeiten, diesen Beitrag mit den Kindern und Jugendlichen, mit dem Arbeitsfeld und mit dem öffentlichen Träger abstimmen. 


Die wesentlichen Inhalte dazu finden sich in den Leitgedanken, die der Rahmenkonzeption vorangestellt sind.

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit sieht sich als Arbeitsfeld, das einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung der Prozesse des Aufwachsens junger Menschen leistet, sich fachlich weiterentwickelt und inhaltlich ausdifferenziert. Dabei wirkt das Arbeitsfeld als Akteur in kommunalen Bildungslandschaften, vor allem in der Vermittlung sozialer, personaler, kultureller und lebenspraktischer Kompetenzen für junge Menschen. Für das Erfahren, Erleben und Umsetzen von sozialer bis politischer Verantwortungsübernahme eröffnet die Kinder- und Jugendarbeit vielfältige Gelegenheiten. Für die Kooperation mit der Schule steht das Arbeitsfeld bereit und sieht seine Stärken vor allem darin, in den nicht unterrichtlichen Bereichen attraktive Lern- und Bildungsangebote zu machen. Gerade die regionalen Einrichtungen werden stark von Mädchen und Jungen besucht, die von ihrer sozialen Herkunft her nicht privilegiert sind. Hier kann die Offene Kinder- und Jugendarbeit positive Erfahrungen und Stärken vermitteln, die diese nicht zu Modernisierungsverlierern werden lässt. Gerade die spezifisch anderen Zugänge der OKJA zu den Lebenswelten, der Kultur, den Empfindungen und den Themen junger Menschen eröffnet ihr die Möglichkeit, ihre eigenständige Rolle und ihren spezifischen Bildungsauftrag in eine Gesamtverantwortung für das Aufwachsen junger Menschen einzubringen. In Stadtquartier, im Gemeinwesen und im Sozialraum sieht sich die Offene Kinder- und Jugendarbeit auch als Dienstleister zur Gestaltung eines sozialen Miteinanders, vor allem durch das zur Verfügung stellen von Räumen, Ressourcen und Know-how. Die kostenlosen oder günstigen Möglichkeiten Freizeit zu verbringen, Musik zu hören oder zu machen, sich sportlich zu betätigen, Dinge auszuprobieren, an Fahrten teilzunehmen, hebt sich wohltuend von einer kommerzialisierten und manchmal aggressiv agierenden Warenwelt für Jugendliche ab.

Sicherlich hat die Erstellung des Konzeptes, die breit angelegte Beteiligung bereits ein Stück Selbstvergewisserung, eine Stück mehr an Orientierung und viel Schwung und Dynamik in das Arbeitsfeld gebracht. Doch jetzt heißt es weiter dran bleiben: Leistungsbeschreibungen, inhaltliche Orientierungen und Einzelkonzepte müssen sich an der Rahmenkonzeption messen. Wie stimmt unsere alltägliche Praxis in den Einrichtungen damit überein? Was müssen wir ändern? Tun wir die richtigen Dinge? Tun wir die Dinge richtig?

Das stellt die Frage nach der Orientierung in einem Feld, das durch seine Vielfalt, Buntheit und Offenheit geprägt ist. Wie kann Innovation gestaltet werden, wenn eine neue Idee nicht sogleich mit zusätzlichen Ressourcen umgesetzt werden kann?

Die vorliegende Rahmenkonzeption soll ein Konzept sein, das „lebt“. Auch nachdem sie beschlossen ist, sollen einzelne Teile ergänzt und die Konzeption in ihrer Gänze weiterentwickelt werden.
Erkenntnisse und Ergebnisse der Wirkungsforschung und aus der Beteiligung von Münchner Kindern und Jugendlichen sollen regelmäßig mit der Konzeption abgeglichen werden und sie beeinflussen. Hierfür ist es notwendig, mit Instrumenten der empirischen Sozialforschung die Meinungen und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen und die Einschätzungen der Pädagoginnen und Pädagogen regelmäßig zu erheben. Es sind Längsschnitt-Untersuchungen anzustreben, die es möglich machen, Veränderungen bei den Kindern und Jugendlichen in München zu erkennen und für die Konzeption nutzbar zu machen. Dieser Prozess der Qualitätsentwicklung im Feld soll durch eine Steuerungs- und Unterstützungsgruppe fachlich begleitet werden.

Die Rahmenkonzeption soll als Grundlage einer prozessorientierten lebendigen Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes dienen. Die Konzeption soll in der Beschlussfassung als Druckausgabe aufgelegt, in der Langfassung (mit vielen weiteren Materialien) ist sie auf dieser Internetplattform veröffentlicht (-> Materialien).

Die Erarbeitung der Rahmenkonzeption wurde von einer großen, fachlichen und engagierten Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen, der Steuerungsgruppe und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Stadtjugendamtes getragen. Dafür sei allen gedankt. Ein besonderer Dank gilt Prof. Dr. Richard Münchmeier, der den Arbeitsprozess mit hoher wissenschaftlicher Reputation, mit vielen inhaltlichen Eingaben, mit großem Engagement für die Praxis und mit viel Humor begleitet hat.

Karl-Heinz Hummel, Stadtjugendamt