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Entstehungsprozess

The making of...
Rahmenkonzeption Offene Kinder- und Jugendarbeit

In handlichen vierzig Seiten liegt nun ein Ergebnis vor, an dem über 100 Fachleute in unzähligen Sitzungen beteiligt waren. Hat sich dieser Aufwand gelohnt? Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Prozess und geht dabei in drei Schritten vor. Zunächst wird dargestellt, wie alles begann, danach werden die Arbeitsphasen skizziert und schließlich wird vorgeschlagen, welche Erkenntnisse aus dem Verfahren gezogen werden können. 

Der Auftakt

Vor zwei Jahren beschloss die Vollversammlung des Münchner Stadtrates, dass das Konzept für die Offene Kinder- und Jugendarbeit zu überarbeiten ist. Die Initiative dafür kam von den freien Trägern. 15 Jahre lang wurde bis dahin nach einem Konzept gearbeitet, das – wenn alle Beteiligten ehrlich sind – kaum mehr eine/r kannte. Da es bereits mitten im Jahr war, hatten Träger und Verwaltung keine Ressourcen für dieses Projekt eingeplant. Doch der Wille war enorm. Die Aktiven der Fach-ARGE, das ist ein Gremium, in dem sich etwa zweimal im Jahr Vertreter/innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit treffen, nahmen die Idee der gemeinsamen Konzeptentwicklung begeistert auf und setzten eine Steuerungsgruppe ein. Diese war besetzt mit Vertreter/inne/n vom Jugendamt, die die Koordination übernahmen, Vertreter/innen des Kreisjugendrings, des Fachforum Freizeitstätten und des Münchner Trichters. Zusätzlich bzw. in Personalunion saßen in dieser Gruppe auch die „Gelenke“, so genannte Schnittstelle zwischen Arbeitsgruppen und der Steuerungsgruppe.

Vom Jugendamt wurde Prof. Dr. Richard Münchmeier als wissenschaftlicher Begleiter engagiert. Er brachte eine Außensicht mit und ebnete den Weg dafür, dass die Perspektive des Konzeptes die Sicht der Kinder und Jugendlichen spiegeln sollte. „Vom Kind aus denken“ war das Motto. Wie schwer das war, zeigte sich an der Wirkung des schleichenden Virus, nämlich dem Legitimationsdruck in diesem Arbeitsbereich. 

Die Arbeitsphasen

Mit einer großen Fachkonferenz startete die Beteilungsphase. Die Fachbasis ließ sich die Chance nicht entgehen, ein neues Konzept mitzubestimmen. Der Tag verlief trotz guter Vorbereitung zäh. Die Teilnehmenden rangen darum, ob die Themenvorschläge geeignet waren, und sollten sich entscheiden, in eine Arbeitsgruppe zu gehen, die die Themen der Fachkonferenz vertiefend bearbeitete. Jede Arbeitsgruppe hatte eine Moderation und ein „Gelenk“ und sollte sich etwa viermal treffen, um einen Konzeptbaustein zu entwerfen. Tatsächlich gab es Gruppen, die sich mehr als zehnmal trafen. Im Verlauf stellte sich heraus, dass manche Gruppen mit ihren Themen überlastet waren. Sie entschieden sich dann für einen bestimmten Bereich, andere kamen in einen Themenspeicher. 

Bis Dezember 2009 entstanden Konzeptbausteine, die Prof. Dr. Münchmeier zu seinen Texten hinzufügte. Ab Januar 2010 diskutierte die Steuerungsgruppe diesen Entwurf, der angesichts der vielen Autor/inn/en schier nicht lesbar war. Bis zur zweiten Fachkonferenz gab es eine heiße Überarbeitungsphase. Dort ging es dann hoch her, waren doch die abgegebenen Textbausteine zum Teil erheblich verändert worden. Vorab gab es keine Vereinbarung, inwieweit die Steuerungsgruppe in die Texte der Arbeitsgruppen eingreifen darf. Die gesammelten Kritikpunkte und Anregungen arbeitete die Steuerungsgruppe in mehreren Sitzungen ein. Zu diesem Zeitpunkt wurden erstmals Thesen diskutiert, denn die wichtigsten Punkte sollten in Kernaussagen gebündelt werden. 

Dann lief alles seinen gewohnten Verwaltungsgang. Das steckt in der Logik des Ablaufes eines Stadtratsauftrags. Querschnittsbeauftragte, verschiedene Führungsebenen im Jugendamt, die Sozialreferentin, diverse Gremien - alle hatten noch Ideen, was in das Konzept aufgenommen werden sollte. Inzwischen liegen eine Beschlussfassung und eine Kurzfassung vor.
Beide stehen auch hier auf www.wir-sind-die-zukunft.net zur Verfügung.

Bleibt die Frage, wann und wie Kinder und Jugendliche beteiligt wurden. In der zweiten Phase, als die Arbeitsgruppen an ihren Texten arbeiteten, führte das Studio im Netz - SIN eine Online-Befragung durch. Das Medienzentrum ließ Jugendliche filmisch zu Wort kommen, und in der Schlussphase diskutierten Kinder und Jugendliche aus fünf KJR-Einrichtungen Kernausssagen der Rahmenkonzeption.

Als nächstes wird auf einer Fachtagung allen Beteiligten das Gesamtergebnis vorgestellt und gemeinsam überlegt, wie es weitergeht. Wann werden z. B. Teilkonzepte entwickelt? Wie wird mit dem Themenspeicher umgegangen? Werden Indikatoren erarbeitet, die dann regelmäßig überprüft werden? 


Resumée

Die Erkenntnisse aus dem zweijährigen Prozess lassen sich in fünf Thesen zusammenfassen:

1. Für eine Konzeptentwicklung bedarf es einer Partnerschaft der Beteiligten

Partnerschaft bedeutet die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Deshalb ist zu empfehlen, eine Vereinbarung zu treffen: Wer kann was in den Prozess einbringen, wie wird im Konfliktfall miteinander umgegangen und welche Konsequenzen hat es, wenn die Vereinbarung nicht eingehalten wird? Diese Regeln vereinfachen den Umgang miteinander. Zu klären ist auch, welche Kompetenzen das Projektteam hat, also wie frei es in seinen Entscheidungen ist und wer die Leitung hat.

2. Die Moderation des Prozesses gehört in externe Hände

Wenn Akteure aus unterschiedlichen Feldern zusammenkommen, bedarf es eines weiteren Beteiligten, der den Verhandlungs- und Einigungsprozess moderiert. Liegt dies in der Hand eines der Akteure, ist die Machtbalance unausgeglichen. 

3. Ein Konzept ist eine Momentaufnahme in einer sich verändernden Welt

Offene Kinder- und Jugendarbeit kann nicht isoliert von gesellschaftlichen Entwicklungen betrachtet werden. Die Akteure sollten verstehen, dass der Prozess wichtiger als das Ergebnis und das Ergebnis nie ein Endergebnis ist. Konzepte als eine Art Loseblattsammlung zu verstehen, bedeutet die Veränderung von Anfang an mitzudenken. 

4. Konzeptarbeit ist Bestandteil des pädagogischen Handelns

Nur wenn Pädagog/inn/en die sich verändernden Anforderungen sehen können und über Fachdiskurse informiert sind, haben sie das Handwerkszeug, um die Beobachtungen zu reflektieren, sie beurteilen zu können, was wiederum Auswirkungen auf ihr Handeln hat. Zugleich ist zu empfehlen, begleitende, aber auch Grundlagenforschung stärker zu gewichten. 

5. Die Zielgruppe des Konzepts ist von Beginn an in geeigneter Weise mit einzubeziehen

Zu den Ausgangsüberlegungen sollte immer gehören, wie die Betroffenen in den Prozess einbezogen werden können. Dies bedarf einer eigenen Planung und deshalb entsprechender Ressourcen. Festzulegen ist auch, welche Gewichtung  den Aussagen der Betroffenen zugemessen wird, wie sie also die Konzeptentwicklung nachhaltig beeinflussen können. 

Martina Ortner,
Münchner Trichter