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Kurzfassung

Rahmenkonzeption Offene Kinder- und Jugendarbeit in München(April 2011)

Vorbemerkung

Jugendliche in ihrer Gesamtheit und Vielfalt sind aus der Politik und dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. In den Medien werden sie oft nur als Verursachende von Gewalt oder als kommerziell verwertbare Modeträgerinnen und -träger dargestellt. Bei Kindern ist es etwas anders – die Toleranz ihnen gegenüber hat zugenommen. Es bedarf aber wieder einer aktivierenden Jugendpolitik, die Jugendliche als Zukunftspotenzial unserer Gesellschaft sieht, und die Bedarfe und Bedürfnisse dieser Generation offensiv aufgreift und umsetzt.
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit wird sich weiterhin verstärkt dieser Zielgruppe widmen und sich in die politische Diskussion einmischen. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein qualifiziertes Angebot der sozialen Daseinsfürsorge in der Stadt München.
Sie bedarf einer gut nutzbaren Infrastruktur und ausreichender Förderung. Gerade in Zeiten von veränderten Lebens- und Bildungsbiografien junger Menschen ist sie für die Stadt unverzichtbar.

Selbstverständnis

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit in München verfügt über ein eigenständiges Profil mit klarem Bildungs- und Erziehungsauftrag. Ziel aller Anstrengungen sind die Stärkung der personalen, sozialen und kulturellen Fähigkeiten und somit die Erweiterung der Handlungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen.
Indem Kinder und Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihrer Umgebung teilhaben, erleben sie, wie sie durch eigenes Tun Wirkungen hervorrufen und im besten Fall zur Stärkung demokratischer Strukturen beitragen. Offene Kinder- und Jugendarbeit fördert deshalb ausdrücklich die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei allen relevanten Fragen und Prozessen im kommunalen Bereich und akzeptiert und fördert dabei deren individuelle Verschiedenheit. Hierzu werden reale, soziale und virtuelle Räume, in denen sich junge Menschen ausprobieren und soziale Lernerfahrungen machen können, arrangiert. Die Angebote werden so zur Werte vermittelnden Orientierungshilfe in einer komplexen städtischen Gesellschaft. Kulturellen Ausdrucksformen kommt in diesem Kontext eine herausgehobene Bedeutung zu.
Die Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit verstehen sich zudem als Schutzraum. In einem professionenübergreifenden Netzwerk der Prävention werden Mädchen und Jungen bei der Entwicklung eines stabilen Selbstbewusstseins unterstützt. Zielgruppe dieser Bereiche sind ebenso Familien.
Offene Kinder- und Jugendarbeit ist selbstverständlicher Teil des kommunalen Netzwerks sozialer Daseinsvorsorge und in die kommunale Bildungslandschaft eingebunden. Für eine gelingende Offene Kinder- und Jugendarbeit sind bedarfsgerechte personelle, finanzielle und räumliche Ressourcen unabdingbar.

Entstehung der Konzeption

Das Stadtjugendamt München hat im Frühjahr 2009 in enger Kooperation mit den Freien Trägern im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in den Einrichtungen den Prozess der Erarbeitung einer Rahmenkonzeption in Gang gesetzt.
Das nun vorliegende Papier besitzt Werkstattcharakter, ist als erweiterungsfähige „Loseblattsammlung“ konzipiert und spiegelt den Bedarf nach einem flexiblen fachlichen Rahmen wider, an dem sich die pädagogische Praxis in den Einrichtungen orientieren kann. Als konsequent subjektorientiertes Arbeitsfeld macht die Offene Kinder- und Jugendarbeit die Bedürfnisse der Zielgruppen zur entscheidenden Perspektive.

Zahlen, Daten, Fakten

In München leben ca. 307.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 6 und 26 Jahren, die Hauptzielgruppe der 6- bis 17-Jährigen umfasst ca. 120.000 Personen. Die Prognosen weisen mittelfristig steigende Zahlen von Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 10 % auf. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund beträgt bei den 6- bis 17-Jährigen über 50 %.
Im Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind das Stadtjugendamt als Öffentlicher Träger und 60 Freie Träger im operativen Geschäft tätig. Das Stadtjugendamt betreibt selbst keine solche Einrichtung. Aufgaben des Öffentlichen Trägers sind die Gesamtverantwortung im Rahmen der Jugendhilfeplanung und die Vermittlung und Umsetzung kommunaler Vorgaben; die Einrichtungen arbeiten auf der Grundlage einer zwischen beiden Partnern abgestimmten Leistungsbeschreibung, die im dreijährigen Turnus überprüft und ggf. angepasst wird.
Im Durchschnitt gab es im Jahr 2009 in regionalen Einrichtungen 2,9 Fachstellen und im überregionalen Bereich 1,88 Fachstellen pro Einrichtung. Insgesamt waren Fachkräfte auf 455 Vollzeitstellen in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit tätig.

Einordnung

Gesamtstädtisch sind für die wesentlichen strategischen Handlungsfelder der Stadtentwicklung „Leitlinien der PERSPEKTIVE München“ vom Stadtrat beschlossen worden. In der Kinder- und Jugendhilfe obliegt das Mittelverteilungsrecht dem Kinder- und Jugendhilfeausschuss. Ziel ist es, durch eine ausreichende kommunale Finanzierung eine kontinuierliche Arbeit der Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit zu gewährleisten. Die vorliegende „Rahmenkonzeption Offene Kinder- und Jugendarbeit“ ist als solche ein Konzept der Kinder- und Jugendhilfeplanung.
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit erreicht mit ihren Angeboten tendenziell eher Kinder und Jugendliche, die sozial benachteiligt, manchmal auch von gesellschaftlicher Exklusion, d.h. vom Ausschluss aus dem Gemeinwesen bedroht sind. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit hat hierbei die Aufgabe, diesen Benachteiligungen entgegenzuwirken und anregender Freizeitort und Treffpunkt für alle zu sein. Hinzu kommt die ebenso wichtige Aufgabe, Orientierung und Hilfen bei der Lebensbewältigung zu geben.

Prämissen

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Grundlagen für das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit und der Lebenssituation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, gilt es, diese Bedingungen in pädagogische Angebote zu übersetzen.

Zielgruppen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Offene Kinder- und Jugendarbeit in München richtet sich an alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 6 und 27 Jahren (Mädchen/junge Frauen und Jungen/junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund sowie benachteiligte Gruppen). Die Zielgruppe ist höchst heterogen.

Begleitung der kindlichen Entwicklung

Kinder verfügen über viele Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sie wollen sich die Welt aneignen, sich mit ihr auseinandersetzen. Darin brauchen sie Unterstützung und Begleitung und ein förderliches, anregungsreiches Umfeld in Familie, Schule und im sozialen Nahbereich, zu dem auch die Häuser der Offenen Arbeit mit Kindern gehören. Offene Kindereinrichtungen machen niedrigschwellige und offene Angebote.

Begleitung der jugendlichen Entwicklung

In der Jugendphase vollziehen sich große körperliche, seelische und soziale Veränderungen. Jugendliche stehen in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Hierbei geht es auch um Berufsorientierung und die Ausprägung eines ethischen Systems.

Wertekommunikation

Jugendliche müssen sich zwischen einem vermeintlichen „anything goes“ und gesellschaftlich vorgegebenen Normen und Werten zurechtfinden. In dieser Phase werden die bestehenden Erfahrungen und Werte auf den Prüfstand gestellt. Die dabei stattfindende Wertekommunikation braucht „günstige Gelegenheiten“, den „passenden Moment“, den „guten Ort“. Offene Kinder- und Jugendarbeit bietet diese Räumlichkeiten, Anregungen und persönliche Begleitung für eine gelingende Aneignung von Werten, Sozialkompetenz und Autonomie.

Beziehungsarbeit

Die Bewältigung von Alltagsproblemen setzt nicht nur materielle und sozialräumliche, sondern auch soziale Ressourcen voraus. Junge Menschen sind angesichts der zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben auf „Vertrauenspersonen” angewiesen, mit deren Hilfe sie Handlungsmöglichkeiten entwickeln und Lösungsansätze finden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst sind wichtiges „Medium” in der Beziehungsarbeit. Sie vermitteln Sicherheit durch Kontinuität und Verlässlichkeit.

Ferienangebote

Ferien sind Zeiten der Erholung, der Entspannung, freien Zeiteinteilung; sie bieten Räume des Spielens und Erlebens, Gemeinschaftserlebnisse sowie Abenteuer, Spannung und Herausforderung. Sie sind ein wichtiges Element der facettenreichen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit und verstehen sich als außerschulische Bildungsangebote.

Lebensphasen

Die Veränderung der Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird heute als Leben in der Multioptionsgesellschaft beschrieben. Hinzu kommt eine allgemein wissenschaftlich anerkannte Verlängerung der Jugendphase.

Kindheit

Der städtische Raum wird zunehmend zur Erwachsenenwelt, in der Kindern nur noch „Inseln” bleiben. Aber auch innerhalb der Familien hat sich Kindsein verändert. Erziehung heute ist überwiegend partnerschaftlich; gleichzeitig wachsen Kinder häufig als Einzelkinder auf. So kommt es, dass Kinder mit ihresgleichen am ehesten in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung – Krippen, Kindergärten – oder auch in der Schule und in Einrichtungen der offenen Kinderarbeit oder auch in Jugendverbänden – zusammenkommen.

Jugendzeit als bedeutsame Lebensphase

Jugend heute heißt vor allem, ein stabiles Selbstwertgefühl und soziale Kompetenz zu erwerben. Gleichzeitig werden schulische und berufliche Perspektiven entwickelt, die das Fundament für Zukunftsperspektiven darstellen. Die sozialräumliche Chancen- und Gelegenheitsstruktur der Offenen Kinder- und Jugendarbeit stellt eine Ressource zur Bewältigung dieser Herausforderungen dar.
Jugend bedeutet aber auch Autonomisierung. Selbstverantwortung für die eigene Lebensführung wird zu einer zentralen Handlungsanforderung junger Menschen. Sie müssen eine stabile Ich-Identität entwickeln, sich gleichzeitig eine situations- und rollenspezifische Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erhalten.

Offene Arbeit als eigenständiger Bildungsbereich

Sowohl die gesetzliche Grundlage als auch die tägliche Praxis zeigen die unterschiedlichen Zugänge zu Bildung und die verschiedensten Möglichkeiten für Bildung. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit macht aufgrund ihrer strukturellen Möglichkeiten Bildungsangebote, die Gelegenheiten bieten, sich selbst zu erkennen, mit anderen zusammen an dieser Entwicklung zu „arbeiten” und gemeinschaftlich zu gestalten. In ihrem Bildungsverständnis folgt sie den Prinzipien Offenheit, Freiwilligkeit und Partizipation.

Kompetenzerwerb

Die Bildungsangebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zielen nicht primär auf Stoffvermittlung, sondern auf Kompetenzerwerb, nämlich auf den Erwerb von persönlicher „Lebenskompetenz” (z. B. Teamfähigkeit, Selbstorganisation, zielorientiertes Arbeiten).

Lokale Bildungslandschaften

Das Bild von lokalen Bildungslandschaften